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Spieltheoretiker über China: vermeintliche Corona-Politik „in Wahrheit Sanktionen gegen den Westen“ und Schulterschluss mit Russland

Was China aktuell unter dem Deckmantel der Corona-Politik tarnt, sind in Wahrheit Sanktionen gegen den Westen. Diese Interpretation hält zumindest Prof. Dr. Christian Rieck, Wirtschaftswissenschaftler und Spieltheoretiker, für am wahrscheinlichsten. Der Stau von Frachtschiffen im Angesicht des Corona-Lockdowns in Schanghai stört globale Lieferketten, und wird mutmaßlich bereits in Bälde für deutlich höhere Preise sorgen.

Das Exportvolumen des größten Hafens der Welt ist bereits um 40 Prozent zurückgegangen. Zahlreiche Unternehmen bekommen ihre Waren seit mehr als 3 Wochen nicht mehr aus dem Land. Diese Verknappung hat das Potenzial, die Inflation weiterhin zu befeuern. Geht es nach Rieck, dann ist dies wahrscheinlich kein Zufall.

Der Lockdown hat definitiv einen massiven Einfluss auf die Waren, die wir hier bekommen werden„, so Rieck in einem am Samstag veröffentlichten Youtube-Video. Er glaube, dass es die wahrscheinlichste Interpretation sei, dass es sich hierbei um verschleierte Sanktionen gegen den Westen handelt. Damit würde sich das Reich der Mitte „implizit Russland anschließen“  – unter Wahrung des Gesichtes. Selbst, wenn das Motiv ein anderes sein sollte: Der Effekt sei derselbe.

Steht China Russland bei?

Zudem konstatiert er, dass es einige Länder gerne sehen würden – China zählt er dazu -, dass der Dollar nicht mehr die Leitwährung ist. Den weitestgehenden Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System, so seine Befürchtung, könnte für den Westen unterdessen „nach hinten losgehen„, da er letztlich Akteure wie China animieren könnte, sich zunehmend vom Dollar abzuwenden.

Marine Traffic
Schiffe auf hoher See: „MarineTraffic“-Daten zeigen, dass vielen Frachtern Zugang zum Hafen Schanghai verweigert wird

Seit der russischen Invasion am 24. Februar warnen Staaten des Westens China eindrücklich davor, Russland beiseitezustehen und bei der Umgehung von Sanktionen behilflich zu sein. „Wir tun nichts absichtlich, um die von den Amerikanern und Europäern gegen Russland verhängten Sanktionen zu umgehen„, so Wang Lutong, Generaldirektor der Abteilung für europäische Angelegenheiten des chinesischen Außenministeriums.

Allerdings betonen Russland sowie China regelmäßig die Wichtigkeit ihrer strategischen Partnerschaft. Auch würden sich beide, so ihre Argumentation, der US-Hegemonie widersetzen. Wie die chinesische (englischsprachige) Zeitung Global Times unverhohlen und beständig publiziert, ist auch der eigentliche Schuldige des Ukraine-Krieges schnell gefunden: die USA. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund könnte an der Theorie von Prof. Dr. Rieck mehr dran sein, als viele auf den ersten Blick glauben mögen.

Ukraine Krieg China
Illustration: Global Times, chinesische Zeitung

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Teil II: Ist das russische Militär deshalb „so schlecht„?

Viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten über die Schwäche des russischen Militärs debattiert worden. Grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass vorschnelle Urteile fehl am Platz sind. Es besteht die Gefahr, genanntes Militär zu unterschätzen – etwas, das Akteure aus dem sogenannten Westen bereits mehrfach teuer zu stehen kam.

Ein Blick auf das Jahr 1939 verdeutlicht dies. Dort startete die Sowjetunion einen Angriffskrieg auf das benachbarte Finnland. Jenes Land wiederum galt militärisch um ein Vielfaches unterlegen und leistete erbitterten Widerstand. Aus einem schnellen Sieg für die Sowjetunion wurde nichts.

Die verheerende Konsequenz: Nazideutschland unter Adolf Hitler schätzte die Sowjetunion infolge der missglückten Finnland-Invasion als militärisch deutlich unterlegen ein. Ein Trugschluss, wie sich später zeigte.

3. Weltkrieg
Angst vor 3. Weltkrieg: überzogen oder real? Bild: Zeferli, iStockphoto

Und doch: auch wenn es um die Stärke Russlands wohl nicht so schlecht bestellt ist, wie von zahlreichen Kommentatoren gemutmaßt wird, dürfte der bisherige Erfolg weit hinter den selbstgesteckten Zielen von Wladimir Putin zurückliegen. Beschäftigen wir uns nun damit, weshalb das russische Militär schwächer und brutaler als angenommen sein könnte.

Negativauswahl

Kommen wir abermals – wie bereits im ersten Teil des Beitrages – auf eine These von Prof. Dr. Rieck zu sprechen, der sich in diesem Fall auf Informationen von „Visualpolitik“ bezieht.

In Bezug der Brutalität und Ineffektivität der russischen Armee kommt dieser auf eine Negativauswahl zu sprechen. So gebe es im dortigen Militär eine Kultur des Schikanierens, unter anderem würden sich Soldaten gegenseitig schlecht behandeln, „bis zu Dingen, wo man sagen würde, das ist eigentlich entmenschlichend und eigentlich als Folter einzuordnen„.

Dies wiederum habe die Folge, dass sich im sozialen Umgang „vernünftige“ Menschen tunlichst von der Armee fernhalten. Dies führe zu einer Art Teufelskreis, da am Ende vor allem jene Menschen übrig sind, die menschenunwürdiges Verhalten an den Tag legen, und womöglich auch nicht die effektivsten Soldaten sind. Diese Art der Negativauswahl sei jedoch etwas anderes, folgt man Rieck, als hätte die Führung bewusst nur jene Menschen für die Armee ausgesucht, welche äußerst brutal sind, vielmehr könne es schließlich und endlich auch ein unerwünschter Nebeneffekt sein.

Ein Kommentar

  1. incamas SRL incamas SRL April 23, 2022

    Da der Westen vieles aus China braucht , wird das bestimmt Wirkung zeigen !

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